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Faust als Manga

Wer moechte, kann sich in meinem Arbeitsjournal einen Eintrag ansehen, in dem ich mich ein bisschen ueber einen Faustcomic echauffiere.

Comments

dragonaph
Mar. 27th, 2010 09:07 pm (UTC)
Ah, danke für die Übersetzung, das erklärt natürlich einiges! Ja, ich denke auch, es ist dürfte sich um eine Art Faust light für Pop-Kultur handeln.

Was eine Untersuchung betrifft - das Vertrackte (und zugleich so Spannende) an der Medientheorie ist, dass es kaum "abgesessenen" Kanon gibt zum Einen, zum Anderen ist sie eine interdiziplinäre Sparte, die sich mit einer Vielzahl an Gegenständen kreuzt. Literatur, Film, Bühne, Kommunikationswissenschaft, Sprachen... um nur einige zu nennen. Entsprechend viele Ansatzmöglichkeiten und Untersuchungsblickwinkel gibt es.

Würde ich eine vergleichende Analyse einer Inhaltstransformation zwischen Medien anstreben, ich persönlich würde mich erst einmal mit der Definition des Medienbegriffes auseinandersetzen und mich auf einen (oder zwei, je nach Abhandlung) festlegen. Es gibt die interessantesten Theorien und Modelle rund um content, medium oder remediation und letztendlich kommt es da auf dich an, nach welchen Richtlinien es dich interessieren würde, einen solchen Transfer zu untersuchen. "Den" Medienbegriff per se gibt es so nicht wirklich, wenngleich sich natürlich einige prägnante Modelle eingebürgert haben und der umgangssprachliche Gebrauch des Wortes ein Übriges tut.

Dann müsste ich mich entscheiden, was der Kern der Untersuchung sein soll: formale Vorgaben der verwendeten Medien? Inhaltliche Konsistenz? Innovation? Wegfall und Zugewinn? Eine Theorie, deren Struktur ich anhand der Untersuchung testen möchte? Aus welcher "Ecke" will ich kommen, aus dem graphischen Bereich, aus der Manga-Geschichte, aus der Literaturgeschichte, aus der Kommunikation etc. (Ohne auf die Vorlage zu rekurrieren geht bei einem Vergleich nicht. Die Frage ist, auf welche Aspekte man sich bezieht, und sich ausschließlich auf inhaltliche Übereinstimmung ohne Berücksichtigung aller weiteren Faktoren zu beschränken, ist meiner Meinung nach irgendwie sinnlos. =))

Naja, und dann fängt die Klauberei an. ;)

Ich kann so nebenher und ohne den Manga zu kennen (oder mir Faust erneut anzulesen) gar nichts beurteilen. Ich könnte mir z.B. gut vorstellen, dass man Faust als graphische Novelle à la Sandman (Gaiman) sehr gelungen neu erschaffen könnte. Man muss sich halt bewusst sein, dass ein Comic andere narrative Mittel verwendet als reiner Text. Wie Nora anmerkte: 127 Verse Monolog graphisch darzustellen ist möglicherweise nicht machbar, möglicherweise aber doch, würde jedoch anders aussehen, da mit anderen Werkzeugen gearbeitet wird. Text ist nur ein Teil, der je nach Bildkomposition stärker eingebunden sein kann oder auch ganz wegfallen kann.

Der Wunsch nach Erhalt der Poesie ist eine Falle, die man sich selber stellt. Die Poesie eines reinen Textwerkes kann so - meiner Ansicht nach - nicht im ursprünglichen Sinn erhalten werden, sie kann nur neu und anders erschaffen werden. Ich habe festgestellt, dass das oft schwer zu akzeptieren ist; überleg mal, wie Menschen auf Filmadaptionen ihrer Lieblingsbücher reagieren. Man will da selten Neues sehen, sondern das, was man sich geistig während des Lesens erträumt oder erarbeitet hat. Das kann natürlich nur selten klappen.


Das Problem ist vermutlich, dass (wie du auch schon angesprochen hast) die persönliche Wertung einfach zu stark in die Überlegung zu diesem Manga hineinspielt.

Wie gesagt, hätte Nora das nicht in ihrem Arbeitsjournal geschrieben, hätte ich mir nichts weiter dabei gedacht und es als persönliche Wahrnehmung ad acta gelegt, wie man halt auch erzählt "der Film hat mir gefallen". Da ich es aber so verstanden habe, dass das Arbeitsjournal Teil ihrer wissenschaftlichen Präsentation ist, konnte ich es nicht ganz unkommentiert stehen lassen. ;)


...wollen wir nicht lieber über Schauspieltheorien sprechen? Da bin ich etwas firmer. ;P
seidenstrasse
Mar. 30th, 2010 02:49 am (UTC)
Das passiert, wenn man mal ein paar Tage nicht online ist!
Danke fuer das viele Feedback. Ja, meine Kritik bezieht sich ganz explizit darauf, dass der Manga (wie auch in der Ueberschrift und meinem ersten Satz schon beschrieben) suggeriert, dass man damit Goethes Faust kennenlernen koennte. Das ist das ganze Problem. Das kann man nicht, und deswegen meine Kritik, die nicht nur als eine persoenliche Meinung gemeint ist. Aber ich glaube, alles, was ich dazu zu sagen habe, steht schon im Text selbst.

Uebrigens koennt ihr gerne im Journal selbst diskutieren - da wuerde ich mich freuen, wenn Diskussionen entstehen koennten, wo auch mehr Leute davon mitbekommen.
dragonaph
Mar. 30th, 2010 09:49 am (UTC)
Ja, meine Kritik bezieht sich ganz explizit darauf, dass der Manga (wie auch in der Ueberschrift und meinem ersten Satz schon beschrieben) suggeriert, dass man damit Goethes Faust kennenlernen koennte.

Du hast Recht, das konnte ich so tatsächlich nicht herauslesen. Aber vermutlich bin ich auch etwas betriebsblind und suche nach eindeutigen Thesen/Aussagen oder Theoriebezügen in einem wissenschaftlichen Text. Für mich las es sich so, als würdest du einerseits erwarten, dass Faust 1:1 zwischen Medien übertragen werden kann, und dass es andereseits generell ein Fakt sei, dass eine Transformation von "Faust" zwischen zwei Medien nicht klappen kann, ohne die Essenz in beiden zu erhalten bzw. beide "erfolgreich" oder "gelungen" zu machen. Das war es, was ich kritisiert habe.
seidenstrasse
Mar. 30th, 2010 02:51 am (UTC)
Ich habe den Eintrag noch einmal gelesen: das mit dem graphischen Weg macht die Sache tatsaechlich etwas undeutlich. Das schreibe ich mal um, damit klarer wird, worum es mir geht.