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Nora
seidenstrasse

Tag 3 [Nanjing/Suzhou] - Schnee im Palast

Extrafrüh wurde aufgestanden und sich in voller Montur zum Zongtongfu gemacht, was nichts anderes ist als das alte Herrschaftsgebäude aus der Zeit, als Nanjing noch Hauptstadt war.



Natürlich nicht, ohne vorher zu frühstücken. Die Xiaolongbao, das heißt also gefüllte und gedampfte Teigtaschen, sind berühmt in Südchina. Die Füllung ist so raffiniert gemacht, daß man beim Essen einerseits herrliche Suppe in den Teigtaschen hat, andererseits aber auch die Fleisch- und Gemüsefüllung erhalten bleibt. Es war eines der leckersten Sachen, die ich in China gegessen habe.


Das Zongtongfu ist auch das Gebäude, in dem Dr. (!) Sun Yatsen einst waltete und in dem die Guomindang ihren Sitz hatte. Hier sieht man Dr. (!) Sun Yatsen als Vater des neuen Chinas in einem leidenschaftlich Gemälde.



Das Areal ist gut in Schuß und sieht von außen wie ein chinesischer Palast, von innen wie ein Agentenfilm, der in den 20er Jahren in Europa oder den USA spielt, aus. Die Ausstellungen waren voller Photos von Personen, die ich nicht identifizieren konnte, weil eine lateinische Umschrift fehlte und ich mir im Geschichtsunterricht leider die Schriftzeichen nicht eingeprägt habe.



Es hatte ordentlich geschneit und man ließ sich nicht von den historischen Stätten den Spaß am Schnee verderben.

Darauf hin ging es rückengeschädigt zum Bahnhof. Wir mußten nur eine unwesentlich lange Zeit warten und hätten uns dann sogar ein Ticket für den Zug in 10 Minuten holen können. Das taten wir aber nicht, sondern pfiffen uns stattdessen in wahrlich letzter Minute eine Portion Nanking-Ente ein. Das gibt es nämlich auch, sie ist sehr salzig und, soweit ich beurteilen kann, gekocht. Peking gefällt mir in dem Aspekt besser.

Die Bahnfahrt war erste Klasse, also mit "weichen Sitzen". Das ist in etwa wie bei der DB, nur in preisgünstig. In Nullkommanix aber unter dem durchgängigem Starren meines Sitznachbars verging die Fahrt und wir kamen im Bahnhof von Suzhou und damit am bisher elendsten Ort an, an dem ich vielleicht überhaupt jemals war. Es ist dort dreckig, überfüllt; freie Plätze werden von Obdachlosen bewohnt und viele, oft arm- oder beinlose oder anders behinderte Menschen betteln um Almosen. Alle Welt schrie mir entweder zu, daß ich in ihr Taxi steigen, ihren Stadtplan kaufen oder auf ihre Rikscha aufsitzen solle. Eine junge Frau kotzte mir knapp vor die Füsse. Mit anderen Worten: unser erster Eindruck von Suzhou war nicht der beste. Der Leser wird sich freuen zu hören, daß es von nun an steil bergauf ging.


Tatsächlich ist Suzhou auch der bisher schönste Ort, den ich in China gesehen habe. Nicht zu unrecht wird er auch "Venedig von China" genannt; die Stadt ist von Flüssen durchzogen und überall gibt es hübsche Brücken. Nachts ist das Ufer von entzückenden Lichtern geschmückt. überhaupt versteht man es in China, allerlei Gegenstände auf der Straße mit Licht in Szene zu setzen.

In der sehr schönen Jugendherberge, die in einem historischen Gebäude ist, angekommen, legten wir erst einmal unsere Last ab und machten uns mit der chinesischen Mitbewohnerin und Angestellten Jessika bekannt, die seit 4 Jahren in Suzhou arbeitet. Sie bot sich an, mit uns ins Stadtzentrum zu fahren. Wir aßen den in der gegend berümten Mandarin-Fisch und andere Suzhou- typische, das heißt vor allem süßliche Speisen.



Außerdem aß ich das erste Mal in meinem Leben Zuckerrohr und frage mich, warum. Bei uns wird aus Zuckerrohr auch Zucker hergestellt - warum wird es nicht als Frucht verkauft? Es braucht nicht gesagt zu werden, daß es sehr süß schmeckt.

Dann ließen wir uns etwas unwillig von ihr durch Geschäfte schleppen, konnten aber nicht so recht ablehnen. Schließlich machte ich eine sehr wertvolle Anschaffung dort: Dicke Socken! Die sollten mir am nächsten Tag noch sehr nützlich sein.
Tags: beijing:ausflug
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