Nora (seidenstrasse) wrote,
Nora
seidenstrasse

Naß

Nun weiß ich also endlich, warum das Ding "Regenzeit" heißt. Ich würde mir zum Zeitpunkt des Schreibens gerne ein Frühstück holen, aber ich kann nicht. Bei den Temperaturen der letzten Tage habe ich natürlich nicht im Traum daran gedacht, mir einen Schirm zu kaufen. Das soll heute nachgeholt werden.


Der Blick aus meinem Fenster. Genug Regen für 10!

*

Eigentlich hatte ich vor, am Vormittag ein paar Einkäufe zu erledigen, aber es gießt in Strömen und ich konnte mich nicht überwinden, einen rosanen Schirm zu kaufen. Stattdessen habe ich in dem kleinen Laden im Wohnheim mir koranische Grüner-Tee-Soyakekse namens "Calorie Balance" geholt und aus Versehen statt Joghurt (酸牛奶) pure Milch (纯牛奶). Bäh!


Weil ich jetzt etwas Zeit habe, habe ich mal für all die Kartenfreunde da drüben die Karte der Pekinguniversität etwas dilettantisch abphotographiert. Als Extra gibt es die große Version davon nach dem Klicken. Das Blaue ist alles See; das Grüne ist alles Grün. Aber alle anderen Straßen sind auch begrünt, so daß die ganze Anlage wie ein riesiger Park wirkt.

Letztlich verlief der Tag anders, als von mir geplant. Weil chinesische Supermärkte anders sortiert sind als deutsche, fand ich längst nicht alles, was ich ursprünglich kaufen wollte. Besonders geärgert hat mich, daß es scheinbar unmöglich ist, einen rein schwarzen Regenschirm oder ein rein weißes Handtuch zu kaufen. Obwohl man meinen möchte, daß Drucke zusätzlich etwas kosten, sind Billigprodukte selten unifarben. Das ist eine Sache, die mir schon in Deutschland zu denken gegeben hat.

Weil ich mir zu fein war, einen pastellfarbenen oder geblümten Regenschirm zu kaufen, wurde ich auf dem Rückweg ungeplant klatschnaß. Daraufhin gab ich meine einstigen Nachmittagspläne auf und beschloß, den restlichen Tag mit Lernen zu verbringen. Aber schon setzte der Kaffeeentzug ein und unversehens schlief ich erst einmal ganze 3 Stunden, als ich nur kurz meine Augen ausruhen wollte.

Die Kaffeefrage ist ein Problem. Es scheint - zumindest in den Läden der Nähe - nicht nur keine Kaffeemaschinen zu geben; es gibt auch keinen Kaffee! Alles, was verkauft wird, ist Löskaffee, der eben schmeckt, wie Löskaffee so schmeckt. Möchte man also etwas Echtes trinken, muß man auf Cafés für Westler oder die überall vorhandenen Starbucksläden (die anscheinend weltweit einheitliche Preise haben) zurückgreifen. Dafür werde ich in Zukunft aber keine Zeit haben und auch nicht die Lust, mich ausnehmen zu lassen wie eine Weihnachtsgans. (2,80 Euro pro Kaffee - wenn man das mal in Fahrrädern ausrechnet!) Vielleicht gibt es ja doch irgendwo in dieser Stadt noch echten Kaffee?

*

Schon wieder hatte einer der FU-Bachelors, die auch ein Jahr hier sind, Geburtstag. Ich habe mich aber ausgeklinkt und statt dessen Wäsche gewaschen, im 400m entfernten Supermarkt all das gekauft, was ich heute trotz langer suche in weit entfernten Läden nicht gefunden habe und bin dann wieder in das Nudelsuppenrestaurant gegangen. Neben der vielfältigen Auswahl und dem recht guten Geschmack mag ich an dem Laden, daß man zusehen kann, wie die Nudeln gemacht werden. Sie bereiten den Teig für die Nudeln direkt zu und schmeißen ihn dann mit Schwung ins kochende Wasser. Jetzt weiß ich auch, warum Nudeln auch chinesisch 拉面 (lamian, die Japanischkenner wissen jetzt, woher das japanische "Ramen" kommt) heißt. "la" heißt "ziehen", und wirklich werden die Nudeln nicht irgendwo durchgepreßt, sondern durch Ziehen in Form gebracht.

Nach dem Essen entschloß ich mich kurzerhand zu einem Abendspaziergang am großen See. Zu schade, daß man nachts keine ordentlichen Photos machen kann - es ist einfach zu schön! Ein Mann spielte am anderen Ende auf der Flöte alte chinesische Volkslieder, die über den ganzen See schallten. Ab und zu kamen mitsingende Chinesen an mir bei. Überhaupt kann man sagen, daß Chinesen viel singfreudiger sind, als Deutsche (Kunststück!). Sehr oft hört man sie auf der Straße singen oder pfeifen. Auch Angestellte in Läden singen oft und gut.
Nach dem schönen Spaziergang verlief ich mich erst einmal eine Runde und ging dann frohen Sinns ins Bett.

Tags: beijing:leben
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