Nora (seidenstrasse) wrote,
Nora
seidenstrasse

Das neue Gewand

Es tut mir ja leid, daß ich schon wieder von meinem Ventilator schreibe, aber er war einfach die Anschaffung des Jahrhunderts. Noch wichtiger als unsere Kaffeemaschine, und das mag was heißen. Wenn ich nachts hitzegebeutelt aufwache, stelle ich ihn einfach für eine Viertelstunde ein und kann wieder schlafen. Ich fürchte mich nur vor der Zeit, da meine Mitbewohnerin aus ihrem Urlaub zurück ist und ich mir mehr anziehen muß.
Erstmal noch ein Bild vom Campus:

Auch, wenn meine Laune sich ständig bessert, ist meine körperliche Konstitution gleichbleibend seltsam. Ich will nicht zum Arzt gehen, weil ich keinen Ärger beim Immatrikulieren mit dem Gesundheitscheck haben möchte. Außerdem bin ich vermutlich auch nicht wirklich krank, sondern leider nur etwas an der klimatischen Umstellung. In jedem Fall zittern meine Hände einen guten Teil des Tages und ich muß alles in Zeitlupe machen, um nicht das Gefühl zu haben, hyperventilieren zu müssen. Meine Vermutung lautet, daß das mit meinem niedrigen Blutdruck zusammenhängt. Eine Allergie kann es eigentlich nicht sein, denn ich habe es auch morgens nach dem Aufstehen. Ich sehe zu, daß ich genug trinke und esse und danach wird es auch ein bißchen besser, aber drei bis vier Liter pro Tag sollten eigentlich reichen, möchte man meinen. Vielleicht hat ja einer der Damen oder Herren ein paar Tips?

Der Sonnenbrand aber scheint nur ein Wunschtraum gewesen zu sein, oder er ist einfach über Nacht nahezu spurlos verschwunden.

Gestern nach dem kleinen Ausflug in die westliche Welt bin ich kurz vor 22 Uhr nach Hause gefahren. Die Läden schlossen gerade, aber ich konnte noch in einige hineinstürmen und ein paar Anziehsachen ausprobieren. Leider ist die Mode hier für Damen mit kleinem Busen und schmalen Hüften konzipiert, was mich in all den zusätzlichen Hüftaufpuffern grotesk aussehen läßt. Mein heutiges Ziel heißt daher, ein Oberteil zu kaufen, das mir paßt. Klingt etwas banal, aber nach dem gestrigen Ausprobieren habe ich das Gefühl, daß das schwieriger sein könnte, als es erst einmal den Anschein macht.


Diese Art von Crepes, in denen, außer dem Teig, noch ein Ei, verschiedene Saucen, Kräuter und diese komische nicht-sehr-lange-krosse Masse, von der ich nicht weiß, woraus sie besteht, enthalten ist, bekommt man in einer kleinen Tüte und kann sie gut unterwegs essen.


Das haben wir dann auch in einer kleinen Verschnaufpause gemacht. Hier sieht man Lisa, wie sie gerade von Mücken überfallen wird, die sich anscheinend ausschließlich in dem hinter uns drapierten Gebüsch aufhalten.


Man spricht ja immer von Japan als dem Land der Kontraste. Auch, wenn ich diese Phrase sowieso hohl finde, paßt sie doch zu Chinas Städten um vieles besser! Gegenüber dem Deutsche-Bank-Gebäude, das auch am Potsdamer Platz hätte stehen können, findt sich keine 100 Meter in der Seitenstraße dieses Bild.


Wie man sehen kann gelang es aber dann schließlich doch - eines der 20 Nickis paßte. Trotzdem gingen wir noch zu einem nahgelegenen Markt, der ganz ähnlich aufgebaut ist, wie der sogenannte Seidenmarkt. Letzterer ist im Reiseführer Lonely Planet aufgeführt und den ich hatte ihn bei meiner letzten Reise aufgesucht. Nun ist es mit dem Lonely Planet ja so, daß alle ihn ganz schau finden. Er gibt dann Tips und öfter auch Geheimtips heraus, die einen Monat nach Erscheinen dieses (sich am besten verkaufenden) Reiseführers keine Geheimtips mehr sind. Am Seidenmarkt sieht man Chinesen nur als Verkäufer - in den Gängen laufen Europäer, die sich über die aufdringlichen Verkäufer wundern, alle Lonely Planets in der Hand halten und sich bei jedem Einkauf übers Ohr hauen lassen. Bei dem Markt von heute aber drängten sich Chinesen und die Preise sind weitaus niedriger angesetzt.


Die große Straße Chengfu Lu 成府路 führt vom Osttor der Beida direkt zum U-Bahnhof Wudaokou 五道口 noch weiter und dann rechts in die Xueyuan Lu 学院路 rechts abgebogen kommt man irgendwann linkerhand zum Einkaufstempel.


Bisher habe ich ja noch nicht geschafft, ein Photo von den auf Fahrrädern herumkurvenden Chinesinnen zu machen, die diese Dinger tragen (normalerweise jedoch ohne Schriftzug). Damen, die keine dunkle Haut von der Sonne bekommen möchten, laufen, wenn sie können, mit Schirmen und manchmal sogar mit Handschuhen durch die Gegend. Auf dem Fahrrad übernimmt dann eine solche Gesichtsmütze den Job des Sonnenschutzes.

Heute habe ich über mixi von einem Japaner erfahren, daß sehr wohl schon andere Japaner im Wohnheim seien. Vielleicht haben die aber schon alle einen festen Mitbewohner, wer weiß. In jedem Fall habe ich ihn erst mal gefragt, ob er mir eventuell helfen kann. Auf diese Antwort wartend werde ich morgen vermutlich schon wieder online sein, obwohl ich das gar nicht so oft wollte.


Auf Wunsch eines einzelnen Herrn hier mal ein Photo von diesem Café, in dem ich gerade sitze und Blaubeer-Käsekuchen esse. Drinnen kann ich erst Photos machen, wenn ich eine bessere Kamera habe oder mal etwas früher am Tag hier aufkreuze.

Bald geht es dann noch los zu dieser ominösen Geburtstagsfeier, von der ich dann aber erst morgen werde berichten können.

Tags: beijing:leben
Subscribe
  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 12 comments