Nora (seidenstrasse) wrote,
Nora
seidenstrasse

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Was mit Chinas Wirtschaft wirklich los ist.

Im Konfuzius-Institut, das mit unserer Universität eng verwoben ist, fand sich heute Abend der chinesische Botschaftsrat Zhu Wanjin zu einem Vortrag über das Thema "Chinas Wirtschaft – Chancen, Risiken und Zukunftsprognose" ein.
Er sagte genau all das, was man dachte, das er sagen würde. So ist er sich beispielsweise sicher, daß sich das Bruttosozialprodukt der VR bis 2020 vervierfacht haben wird. (Die Weissagung in China ist scheinbar immer noch sehr erfolgreich.) Statt Fünfjahresplänen haben sie ab sofort Fünfjahresprogramme, und es heißt nicht mehr Sozialismus, sondern sozialistische Marktwirtschaft. "Das erinnert ja auch an die deutsche "soziale Marktwirtschaft" und soll auch so ähnlich sein. Namen sind ja nicht so wichtig." Auf die Frage, ob sich China nun für einen sozialistischen oder kapitalistischen Weg entschieden habe: "Es ist zu früh, um diese Frage zu beantworten; das müssen die späteren Generationen entscheiden. Uns ist es nur wichtig, das es den Menschen gut geht."
Nebenbei deckte er noch zwei interessante Mechanismen auf. So erklärte er, vielleicht ohne es eigentlich zu wollen, warum in China zur Zeit an der Installierung eines Sozialversicherungssystems gearbeitet wird. China hat, laut Herrn Zhu, die größte Sparquote der Welt, die unter anderem aus den hohen Kosten, die im Krankheitsfall auf einen zukommen, resultiert. Damit die Leute dieses Geld ausgeben und der Konsum angekurbelt wird, führt man nun die Sozialversicherung ein.
Außerdem wies er darauf hin, daß Deutschland die Wünsche der VR vor der EU unterstütze. Etwas später wurde auch klar, warum: Handelsbeschränkungen beschränken auch all die vielen deutschen Firmen, die bereits in China investiert haben (Deutschland und China sind einander die stärksten Handelspartner).
Für mich war der Vortrag trotz all der stereotypen Aussagen dennoch interessant, weil ich mir hier sicher sein kann, daß es tatsächlich der Standpunkt ist, den die VR in der Welt verbreitet wissen will; ohne Verfälschung durch Medien. Schade nur, daß er nicht viel anders war, als das, was man sonst so hört.
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