Das Beste kommt noch

So wohnt man hier

Seit unserem Umzug weg vom Campus in ein richtiges Wohnviertel habe ich Photos der Gebäude in unmittelbarer Umgebung gemacht, weil mich einiges daran fasziniert hat. Wer Lust hat, kann einen Photoeintrag dazu in meinem Arbeitsjournal lesen.
sich selbst pürieren

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Bisher habe ich die neuesten Einträge hier für eine Weile öffentlich belassen, weil ich den Lesern daheim die Möglichkeit geben wollte, bequem mitzulesen. Inzwischen tauchen aber auch öfter Bilder von Leuten außerhalb meiner Familie auf, die nicht unbedingt möchten, daß ihre Photos frei einsehbar sind. Deswegen werden viele der kommenden Einträge nur noch für diejenigen zu sehen sein, die einen Livejournal-Zugang haben. Wer keinen hat, aber trotzdem weiterlesen möchte, kann sich kostenlos einen Account erstellen. Und wer wiederum nicht weiß, wie das geht, hinterlasse hier einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail, dann helfe ich gern.
Vielen Dank!
Nora
Reis-Fraktion

Reiskocherrezept #14: Mein täglich Oatmeal

Im vorherigen Rezepteintrag habe ich auf die Schwierigkeit hingewiesen, Vollkornbrot in Japan zu finden. Da ich nicht täglich drei Mal Minibrot backen kann, mußte ich mir für mein Frühstück etwas anderes überlegen. Müsli war eine naheliegende Wahl, und so aß ich die ersten Wochen Instant-Haferflocken. Kann man machen. Nach ein paar Tagen waren Rosinen und Mandeln etwas zu langweilig und bei der Suche nach aufregenden Müslibeiliagen bin ich auf sogenanntes irish oatmeal oder steel cut oatmeal, zu deutsch: Hafergrütze, gestoßen. Ich glaube, ich erzählte bereits einmal davon. In Deutschland bekommt man das wohl ausschließlich im Reformhaus und auch da nicht zuverlässig. Etwas beschämt muß ich zugeben, daß ich mir das Zeug für teures Geld aus Irland schicken lasse, weil ich so begeistert davon bin und hier anderes europäisches Frühstück so schwer zu haben ist. Es schmeckt natürlich nach Hafer, aber hat eine kernige Konsistenz und nussigen Duft.

Natürlich kann man das auch mit dem Topf kochen, sogar etwas schneller geht es dann. Aber dafür muß man es natürlich ständig beobachten und umrühren. Ich stelle mir normalerweise die Timerfunktion meines Reiskochers, schütte Wasser und Grütze abends schon in den Kocher und habe dann morgens beim Aufstehen mein fertiges Oatmeal.

Rezept für 1 Person, beliebig multiplizierbar

1/4 Meßbecher Hafergrütze
1 Meßbecher Wasser

In den Reiskocher und die Kochfunktion auf "Reisbrei" stellen! Wichtig, wichtig, sonst kocht alles über und man hat eine Riesenschweinerei.

Hat es ausgekocht, könnte man zunächst annehmen, daß zu viel Wasser übrig ist, denn die Hafergrütze sinkt zu Boden. Man muß es aber nur einmal durchmischen und hat ein wunderbar cremiges Gemisch.

Collapse )
Reis-Fraktion

Reiskocherrezept #13 - Mohrrübenbrot

Schon seit Monaten renne ich in Osaka umher und suche nach einem vernünftigen Vollkornbrot. Das ist fast hoffnungslos. Es gibt zwei vernünftige Brote in erreichbarer Nähe, aber das eine ist so groß wie ein halbes Toastbrot und kostet 4,20 Euro, das andere wird sowieso nur alle Jubeljahre gebacken. Folglich waren meine nächsten Ausflüge der Suche nach Vollkornmehl gewidmet. Wie nicht anders erwartet, war auch das nicht so einfach. Einige Supermarktangestellte hatten noch nie davon gehört und boten mir nacheinander mehrere andere Mehlsorten an (von denen es nämlich viele gibt, die sich aber kaum unterscheiden). Aber letztlich habe ich doch Vollkornmehl gefunden, und so kam wieder der Reiskocher zum Einsatz:

40g Mohrrübe
70g Vollkornmehl
1 Ei
20ml Milch
1/2 TL Zucker
1/2 TL Salz
1/2 TL Backpulver


1. Die Möhre kleinraspeln
2. Alles vermischen, in den Kocher und anstellen



Das japanische Originalrezept hat natürlich weißes Mehl und mehr Zucker, weil hier Brot in der Regel süß genossen wird. Das Brot, das am Ende rauskommt, ist ganz schön klein und man kann gut gleich mehrere backen. (Wenn man mehr Teig in den Kocher gibt, wird das Endprodukt nicht so durch oder zu dunkel am Boden.) Wer einen größeren Reiskocher hat, nimmt:

100g Mohrrübe
150g Mehl
2 Eier
40ml Milch
1 TL Zucker
1 TL Salz
1/2 EL Backpulver
Slorgman!

Osaka, Stadt des Bunraku-Theaters

Gestern habe ich das erste Mal eine Puppenspiel-Aufführung im Nationalen Bunraku-Theater angesehen. Sehr faszinierend. Im Laufe meiner Forschung hatte ich zwar schon ab und zu Manuskripte dafür in der Hand, aber es selbst zu sehen, war noch einmal völlig anders. Im Grunde genommen besteht die Aufführung aus drei Bestandteilen: Dem Sprecher, der die gesamte Textarbeit hat, d.h. alle Charaktere intoniert und die Bühnenanweisungen und Erklärungen, auch Gedichte, spricht. Neben ihm sitzt ein Musiker mit Shamisen, das ist ein dreisaitiges Instrument. Er begleitet auf weite Strecken den Sprecher und die Figuren. Die Puppen werden von einer schwarz verhüllten Person (unwichtige Figuren) bzw. von zwei Verhüllten für den linken Arm und die Beine und einer einem Unverhüllten für Kopf und rechten Arm (wichtige Figuren) bedient. Mir gefällt am besten die kleine Klapp-Bühne, auf der der Sprecher und der Shamisen-Spieler sitzen.

Ein Sprecher, der leider niemanden gefragt hat, wie man »ningyô jôruri«, also diese Form des Puppentheaters, richtig ausspricht, verdirbt es ein bißchen, aber hier kann man eine kleine, interessante Einführung zu Bunraku bekommen.



Ich muß noch mal sagen, daß es noch etwas ganz anderes ist, dabei zu sein, wie abgedroschen das auch klingen mag. Selbst, wenn man kein Wort Japanisch spricht, sollte man sich bei Gelegenheit hineinsetzen. Ich komme da mit meinen Kenntnissen nämlich auch nicht weit, durch dieses archaische Japanisch, das zudem im Osaka-Dialekt gesungen wird. Stattdessen liest man am besten vorher, worum es geht und genießt dann die Eindrücke.
Jetzt hab ich Lust, meine Dissertation über Bunraku zu schreiben. Naja, die nächste dann.
irgendwie unheimlich

Rehverschmutzung

In Nara ist alles voller Rehe. Ich hatte davon gehört, mir aber eingebildet, da die bestimmt in einem abgegrenzten Gelände ansässig sind, wie man es von Rehen gewöhnt ist. Stattdessen stolzieren sie durch die ganze Stadt. Hier ein kleiner Bericht unses Ausflugs. Collapse )
Hi

Reiskocherrezept #12: Blaubeerkuchen mit... Custard Sauce?

Damit meloenchen nicht weiter ungestraft verbreiten kann, daß ich hier in Japan keinen Kuchen backen könne:

Blaubeerkuchen

100g Mehl
1/2 EL Backpulver
2 Eier
100g Blaubeeren
50g Zucker
25g Butter

1. Mehl und Backpulver vermischen
2. Butter weich machen, z.B. durch Kurzerhitzen in der Microwelle
3. Alle Kuchenzutaten in einer Schüssel vermischen und in den Kocher gießen

Custard Sauce

1 Eigelb
80ml Milch
2EL Zucker
1 EL Brandy

1. Alle Zutaten für die Sauce in einem Gefäß mischen, eventuell durch ein Teesieb schütten und in ein feuerfestes Glas gießen
2. Das Gefäß in die Mitte der Kuchenzutaten stellen und den Kocher anstellen
3. Nachdem es fertig ist, die Sauce noch einmal durchrühren


So stellt man es rein...


und so holt man es raus.


Evaluation: Ehrlich gesagt, habe ich das nur der Custard Sauce wegen gemacht, die ich liebe, die aber sonst nur schwer herzustellen ist. Was am Ende raus kam, erinnerte mich aber weniger an die hier übliche Custard Creme als an Eierlikör. Gerade habe ich nachgeguckt und festgestellt, warum das so ist: Es ist Eierlikör. Nun gut, nun gut. Ich finde auch noch heraus, wie man Custard Creme richtig macht. Bis dahin schmeckt der Kuchen trotzdem gut. Ich mußte den Kocher übrigens 2x anstellen; nach einem Mal war es noch zu flüssig.

Zur Aufmunterung sehe man sich bitte dieses Sinnbild alles Schönen an.
Reis-Fraktion

Reiskocherrezept #11: Satoimo (Taro) und Hühnergehacktes

Es gab lange keine Rezepte mehr von mir. Einerseits habe ich die alten Rezepte erneut gekocht, um die Zutaten in unserem Kühlschrank aufzubrauchen. Ein neues Rezept habe ich zwar auch probiert, aber es war nicht besonders gut. In der Annahme, etwas falsch gemacht zu haben, habe ich es erneut zubereitet, leider mit unverändertem Ergebnis. Das Rezept bleibt Euch damit vorenthalten. Die Pudding-Kreation habe ich noch einmal mit Kokosmilch und mit untergerührter Banane gemacht; sehr zu empfehlen.

Heute gab es etwas, dessen Hauptzutat im Asiashop oder im Internet gekauft werden muß: eine Taro-Kartoffel oder Satoimo. Auch Hühnerhack ist in Deutschland nicht leicht ohne Fleischwolf zu bekommen; ich glaube aber, man kann beim einem Fleischer nachfragen, ob er eine Hühnerbrust zerkleinert. Ansonsten ist das Rezept denkbar einfach:



4 Taro-Kartoffeln (Satoimo)
80g Hühnerhack
2 EL Sake
1,5 EL Soyasauce
1 EL Zucker
150ml Wasser

1. Die Satoimo(s) waschen und schälen, in stäbchengerechte Stücke schneiden.
2. Alle Zutaten in den Topf füllen und anstellen.
3. Wenn die Sauce zu flüssig scheint nach dem Fertigkochen, kann man nach Belieben 1/2 EL Kartoffelstärke mit 1 EL Wasser vermischen und gleich nach dem Öffnen des Reiskochers hineinmischen.



Evaluation: Nora: Lecker! Felix: Schleimig! Nora: Schleimig, daher lecker! Man muß mögen, daß die Stärke in den Satoimo diese Wurzel etwas - sagen wir's ruhig - schleimig macht. Ich liebe das, aber mein Mann nicht. Wer zur Schleimigkeit ein unzweideutig gespanntes Verhältnis hat, kann das Gericht auch mit Kartoffeln kochen. Aber dann ist es nicht mehr so toll!