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Plastik-Punks

Wie immer fehlt meinem Artikel ein gutes Ende... Hat jemand eine Idee?

Woran denkt man, wenn man das Wort Japan hört? Natürlich an Samurai, schweinische Trickfilme, Geishas und mit etwas Glück noch an Atombomben. In Wirklichkeit aber sollte man zuerst an Plastik denken. Denn wenn das moderne Japan etwas besonders kennzeichnet, dann der Hang zu Kunststoffartikeln. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Man kann - wie man feststellen muß - nahezu alles aus Plastik herstellen, nicht nur Flaschen und Kleidung, wie der Mensch hierzulande denken mag. Nein, man kann auch vieles andere daraus machen. Zum Beispiel Essen.

Nahezu jedes Restaurant und auch jede Spelunke in Japan besitzt ein Schaufenster vor dem Laden mit den Gerichten, die im Innenraum angeboten werden. Nur bestehen diese Speisen aus einer Art nachgiebigen Gummi. Das Tückische bei der Sache ist die täuschende Ähnlichkeit zu wirklichem Essen. Sushi, Seetang, aber auch Bier und Baumkuchen präsentieren sich glänzend und in Originalgröße dem staunenden Besucher. Würden die Teller nicht in einem Winkel von 70° an die Wand gelehnt dastehen, stünde der unwissende Eindringling höchstwahrscheinlich kopfschüttelnd über die Verschwendung der Lebensmittel vor der Vitrine. So aber schüttelt er nur den Kopf über die verschwenderische Verwendung von Plastik (und damit natürlich Erdöl). Doch nicht nur Lebensmittel werden imitiert. Alles gilt es, nachzuahmen, auch, wenn es keinen wirklichen Grund dafür gibt. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, in Japan versuche man, der Natur zu zeigen, daß man eigentlich gar nicht auf sie angewiesen ist. So bestehen die Zäune in japanischen Park- und Tempelanlagen häufig aus - Sie haben's erraten! - Plastik. Das wäre noch normal, würden sie dabei nicht genau wie Holz aussehen. In der Hoffnung, etwas Natur anzufassen, greift man also zum sicheren Halt und schreckt angeekelt zurück.

Es mag absurd klingen, doch aus eigener Erfahrung muß die Autorin berichten, daß es im Land der aufgehenden Sonne ganze Läden gibt, die sich ausschließlich dem Vertrieb von pastellfarbenen Plastikartikeln gewidmet haben. Ein Blick in ein solches Geschäft ist gleichermaßen berauschend wie befremdend. Wer braucht all diese Bentoboxen, Sortiersysteme und Zettelzerreißer? Und färbt solch Übermaß an Plastik auch auf die Bewohner dieser Welt ab? Ein Blick auf die Jugend Tokyos genügt, um zu unangenehmen Schlüssen zu kommen. Es gibt beispielsweise Gegenden, in denen sich Jugendliche an den Wochenenden sammeln und verkleiden. Vielfältig sind die Kostüme, vom liebsten Manga-Charakter über den J-Rockstar bis zum SS-Offizier sind alle Variationen offen. Doch scheinbar dienen diese Versammlungen ausschließlich der Repräsentation, denn es wird nicht etwa etwas gemeinschaftlich unternommen. Stattdessen stehen die jungen Leute herum, reden mit der Clique, surfen via Mobiltelephon im Internet und schminken sich. (Manchmal auch alles gleichzeitig.) Künstlich ist da das erste Wort, das einem in den Sinn kommt. Der traditionierte Begriff "Plastik-Punks" drängt sich auf und der Kreis schließt sich wohl.


So, das ist doch kein Ende! Ich brauche Hilfe.

Comments

( 4 Kommentare — Kommentieren )
dragonaph
May. 3rd, 2002 08:10 am (UTC)
Also, zu einem Ende kann ich dir nicht verhelfen, unangenehm ins Auge gestochen ist mir aber das:

Ein Blick auf die Jugend Tokyos genügt...

Ich glaube, nach einem Blick wird man, gerade in Japan, nicht mal den Hauch einer Ahnung haben, wie etwas funktioniert (schon gar nicht ein so kompliziertes Gebilde wie die japanische Gesellschaft und ihre Sozialrituale). Oder? Der Rest gefällt mir aber. Wo kommt der Artikel hin?
seidenstrasse
May. 3rd, 2002 10:11 am (UTC)
Ja, da hast Du genau die Stelle gefunden, wegen der ich Probleme habe. Natürlich ist es nicht so einfach, und ich müßte eigentlich sehr weit ausholen, um die Sache komplexer darzustellen. Japans Jugend und die Ursache für ihr Verhalten ist so vielschichtig, daß man Bücher darüber schreiben kann. (Das mache ich vielleicht später. ^_^) Vielleicht sollte ich die Verbindung auch weglassen... Mal sehen. Wenn ich den Artikel fertig habe, sieht er wahrscheinlich ganz schön anders aus.

Ich finde ihn auch etwas... gewollt. Wenn ich meine Texte später lese, kommen sie mir meistens recht verkrampft vor, aber vielleicht fällt das nur mir auf. Alles in Allem muß ich den Artikel noch mindestens doppelt so lang machen, weil ich die Dinge besser erklären muß. Vielen Dank für Deine Hilfe!

Ich werde den Text in meine Schülerzeitung stellen, aber ich lade ihn auch auf meine Website. Bald schreibe ich einen Artikel für die FAZ. *grusel* Ich werde ihn voraussichtlich auch hier vorposten...

Also, noch einmal danke & alles Liebe,
eleanor
kutschis
May. 3rd, 2002 01:33 pm (UTC)
Sooo~
Nun meine Meinung. ^__^

Woran denkt man, wenn man das Wort Japan hört? Natürlich an Samurai, schweinische Trickfilme, Geishas und mit etwas Glück noch an Atombomben. Hm... ich denke nicht, dass viele unbedingt gleich an Geishas denken. Vielleicht eher an Technik, Photoapparate und verrückte Fernsehshows - das ist jedenfalls so das allgemeine Bild, das man bei uns im TV andauernd von Japan zu sehen bekommt. In Wirklichkeit aber sollte man zuerst an Plastik denken. Denn wenn das moderne Japan etwas besonders kennzeichnet, dann der Hang zu Kunststoffartikeln. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Man kann - wie man feststellen muß - nahezu alles aus Plastik herstellen, nicht nur Flaschen und Kleidung, Kleidung? o.O wie der Mensch hierzulande denken mag. Nein, man kann auch vieles andere daraus machen. Zum Beispiel Essen.

[...] So aber schüttelt er nur den Kopf über die verschwenderische Verwendung von Plastik (und damit natürlich Erdöl) Irgendwie stört mich dieser Anhang. ^^;; Ich meine, Plastik (und dessen Produktion) benötigt viele Chemikalien, die umweltschädigend sind, und die Verschwendung von Erdöl steht dabei doch nicht an erster Stelle, oder?. Doch nicht nur Lebensmittel werden imitiert. Alles gilt es, nachzuahmen, <- seltsame Satzkonstruktion auch, wenn es keinen wirklichen Grund dafür gibt. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, in Japan versuche man, der Natur zu zeigen, daß man eigentlich gar nicht auf sie angewiesen ist. So bestehen die Zäune in japanischen Park- und Tempelanlagen häufig aus - Sie haben's erraten! - Plastik. Das wäre noch normal, würden sie dabei nicht genau wie Holz aussehen. In der Hoffnung, etwas Natur anzufassen, greift man also zum sicheren Halt und schreckt angeekelt zurück. Ich hoffe, ich sehe das dann auch. *g*

Es mag absurd klingen, doch aus eigener Erfahrung muß die Autorin berichten Wie klingt denn das? ^^; „Muss die Autorin...“ ziemlich unpersönlich, oder?, daß es im Land der aufgehenden Sonne ganze Läden gibt, die sich ausschließlich dem Vertrieb von pastellfarbenen Plastikartikeln gewidmet haben. Ein Blick in ein solches Geschäft ist gleichermaßen berauschend wie befremdend. Wer braucht all diese Bentoboxen (<- vielleicht erklären?), Sortiersysteme und Zettelzerreißer? Und färbt solch Übermaß an Plastik auch auf die Bewohner dieser Welt ab? Ein Blick auf die Jugend Tokyos genügt, [...] Der traditionierte Begriff "Plastik-Punks" drängt sich auf und der Kreis schließt sich wohl. Na ja... Uniformen und so sind eigentlich überhaupt nicht künstlich, und selbst die meisten Cosplayer sind nicht in Plastik gekleidet, oder? Vielleicht stelle ich mich auch nur zu doof an (oder bin zu müde ^^;), aber ich bekomme die direkte Verbindung zu „künstlich“ nicht wirklich hin.

Tja, wie könnte man den Artikel beenden? Denn bei allem Plastik liegt die Prozentzahl der Industrieabfälle nur knapp über einem Prozent im Vergleich zur Gesamten Industrieabfallmenge... das ist ja eigentlich verschwindend gering.

Vielleicht auch noch die Vorteile von Plastikessen aufzählen? Nämlich, dass man kein Japanisch können muss, um zu sehen, was man haben will. *g* Außerdem ist es besser, als ein zweidimensionales Photo. Und dass es früher aus gefärbtem Wachs bestand, dann aber auf Plastik umgestiegen wurde, weil es im Licht der Scheinwerfer oft schmolz.

So, was noch? *denk* Ah, vielleicht, dass es in Japan direkt die Berufsrichtung „Plastikkoch“ (wie auch immer das heißt) gibt. Ist ja alles Handarbeit, da Maschinen das nie so detailgetreu und täuschend echt hinbekommen. Und meist sind es Familienbetriebe, die das herstellen... man braucht Jahre, um das wirklich zu beherrschen. (Und es gibt tatsächlich eine Menge Touristen, die sich „Souvenir-Sushi“ für zu Hause mitnehmen. *gg*)

Ja... kann ja sein, dass du davon irgendwas nehmen willst. ^_^ Und vergiss nicht, die tausend und abertausend Verpackungen, die Japaner um jedes noch so kleine Produkt wickeln. Das ist doch auch meist Plastik, oder?

seidenstrasse
May. 4th, 2002 03:24 am (UTC)
Re: Sooo~
Ah, das freut mich ungemein, daß mein Artikel hier so konstruktive Kommentare hervorruft! Vielen Dank. Vieleicht sollte ich hier öfter mal posten? ^_^

Ich denke nicht, dass viele unbedingt gleich an Geishas denken. - Nicht? Als ich mit Freunden vor meiner letzten Reise nach Japan geredet habe und fragte, was ich mitbringen könnte, sind ihre Assoziationen häufig zuerst in Richtug Geisha gegangen... Die versauten Kerle! Aber gut möglich, daß sie etwas vorbelastet sind. Na gut, das werde ich auswechseln.

Alles gilt es, nachzuahmen, <- seltsame Satzkonstruktion Nun, das ist mein Stil bei Artikeln, der bleibt so.

aber ich bekomme die direkte Verbindung zu „künstlich“ nicht wirklich hin. Nun, ich meine damit vor allem ein sich-selbst-verfremdendes Verhalten. Wahrscheinlich kann man sich das schwer vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat, aber viele Japaner versuchen alles mögliche, um nicht so zu sein, wie sie es wirklich sind. Das Schlüpfen in Rollen, sei es nun in die der Berufsfunktion, die des Gastgebers oder eben sich als jemand völlig anderes zu verkleiden, ist sehr augenfällig in Japan. (Das wirst Du ja noch merken. ^_^) Dieses Verhalten nenne ich künstlich; aber wie gesagt, der Teil muß noch erheblich länger und verständlicher werden. Das war ja erst die Vorschrift.

Deine anderen Anregungen haben mir noch viele Ideen geben, danke! Toll, wenn man so viel Feedback bekommt, das hatte ich gar nicht erwartet. Bis bald!
( 4 Kommentare — Kommentieren )