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Oder an alle, die sich für das Lesen von Büchern überhaupt interessieren.

Möglicherweise hat schon der eine oder andere die GoogleBooks-Funktion genutzt und dort eingescannte Bücher einsehen können. Was auf den ersten Blick eine bequeme und günstige Alternative zum Bücherkauf oder Ausleihen zu sein scheint, hat aber schwerwiegende Folgen vor allem für mittlere und kleine Verlage, aber auch z.B. für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Einen interessante Erklärung dazu, sowie eine Anleitung zum Schützen der eigenen Werke (die Frist für den Widerruf läuft am 5. Mai 2009 ab) gibt Gunther Nickel hier:

Gunther Nickel: Google unterhöhlt das Urheberrecht. Worum geht es genau, mit welchen Konsequenzen, und wo erfährt man mehr?.

Auf der gleichen Seite findet sich auch eine Unterschriftenaktion:
http://www.textkritik.de/urheberrecht/



[...] Im zweiten Fall ist die Schutzfrist noch nicht abgelaufen, und er betrifft sowohl lieferbare als auch vergriffene Bücher. Für ihn soll – auch für deutsche Autoren – ein Vergleich gelten, auf den sich Google in den USA mit dem Autorenverband »The Authors Guild« und der »Association of American Publishers« nun nach einem mehrjährigen Rechtsstreit geeinigt hat: Wer bis zum 5. Januar 2010 berechtigte Copyright-Ansprüche für Bücher geltend macht, die Google bis zum 5. Mai 2009 einscannt (oder bereits eingescannt hat), bekommt mindestens 60 Dollar Tantieme. Er erhält darüber hinaus 63 Prozent der Einnahmen, die Google künftig durch die kommerzielle Nutzung der Daten erzielt (zu weiteren Details siehe http://www.googlebooksettlement.com/ sowie den online zugänglichen FAZ-Artikel von Hannes Hintermeier).

Diese Regelung klingt zunächst ganz verlockend: Für die Nutzung von Texten im Internet bekommt man bislang meistens gar nichts, fortan immerhin etwas. Vergriffene Bücher werden auf diese Weise wieder zugänglich und werfen nun womöglich auch noch ein wenig Honorar ab. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß Google keineswegs alle Einnahmen, sondern ausschließlich die Einnahmen aus der kommerziellen Verwendung von Texten anteilig abführen wird. Für ihre nichtkommerzielle Verwendung gibt es also weiterhin kein Geld. Was das konkret bedeutet, spielt Ilja Braun in der WELT anschaulich am Beispiel von Reiseführern durch.

Völlig unbestimmt bleibt darüber hinaus, an welche kommerziellen Verwendungsmöglichkeiten gedacht ist. Es ist, das ergibt sich aus den bislang veröffentlichten Unterlagen, prinzipiell jede Nutzung durch Google möglich, womit die bisher übliche Unterscheidung von Haupt- und Nebenrechten hinfällig wird. Fortan liegen sämtliche Rechte an einem von Google ganz oder teilweise verbreiteten Titel bei Google, und zwar ad libitum sowohl das Recht den Text zu verkaufen als auch das Recht ihn zu verschenken. Eine solche Praxis wird in kürzester Zeit die deutsche Verlagslandschaft tiefgreifend verändern, weil die herkömmliche Produktion von Büchern in vielen Fällen mangels nennenswerter Nachfrage völlig sinnlos werden wird. Welche Auswirkungen das auf die deutsche Verlagslandschaft und den Buchhandel hat und was man künftig auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt noch sehen kann, läßt sich eigentlich leicht ausmalen. Kurioserweise tut es bislang kaum einer.[...]

Comments

( 5 Kommentare — Kommentieren )
oh_galore
Mar. 22nd, 2009 03:46 pm (UTC)
apropos, ich wollte neulich nochmal deinen Artikel zu Tibet lesen, den du letztes Jahr veröffentlicht hast, aber jetzt kann ich den nur noch lesen, wenn ich mich für ein Online Abo bei der Zeitung anmelde :(
Gibt es da noch einen Weg drumherum?
seidenstrasse
Mar. 22nd, 2009 03:53 pm (UTC)
Es gibt (erstaunlich) viele Kopien davon im Netz, zum Beispiel bei der Uni Kassel: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/China/tibet10.html .
hawkbit
Mar. 23rd, 2009 09:32 pm (UTC)
Weil ich kein Auto mehr habe, fahre ich jetzt viel mit der S- oder U-Bahn oder im Bus in Berlin herum. Und staune, wie viele Menschen mit einem Buch in der Hand ein- und aussteigen. Leute, die unterwegs mit ihrem iPhone herumspielen, werden wohl kaum von Google eingescannte Romane lesen. Außerdem sehe ich (mit Freude), dass in Bücherläden richtig was los ist. Das war in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer so - vor allem habe ich den Eindruck, dass sich jetzt wieder viel mehr jüngere Menschen für Bücher interessieren. Ich sehe also nicht ganz so schwarz für das Buchgewerbe. Lass uns eine Aufklärungskampagne starten, die überzeugend darstellt, wie man sich mit dem Bücherlesen am Computerbildschirm die Augen verdirbt!
seidenstrasse
Mar. 25th, 2009 10:06 pm (UTC)
Ich sehe in der Bahn fast nur Trivialliteraturleser, d.h. Krimis, Liebesromane und ab und zu Jugendliteratur. Das sind zu vielleicht 95% Bestseller, um die man sich tatsächlich keine Sorgen machen muß. Gerade bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die nur ein Teilpublikum ansprechen, sieht es aber ganz anders aus. Und ich gebe ja zu: Wenn ich ein Buch, das ich zur Rercherche benötige, kostenlos im Internet finde, gebe ich wahrscheinlich eher nicht das Geld aus, es mir noch einmal in gedruckter Form zu holen. Aber gerade weil das so ist, darf man nicht davon ausgehen, daß sich in der Situation "vom Kleinen her", d.h. von den Endverbrauchern her, etwas ändert. Deswegen bin ich dafür, daß da gesetzlich etwas geändert wird.
hawkbit
Mar. 31st, 2009 11:06 am (UTC)
Wahrscheinlich hast du Recht. Ich müsste nämlich jedes Mal meine Brille heraus holen und mich neugierig herüberbeugen, um zu erkennen, was da so in den Bahnen und Bussen gelesen wird - und das wäre mir dann doch etwas zu genierlich.

Was die Vergütung für Publikationen wissenschaftlicher Arbeiten anbelangt, habe ich keine eigenen Erfahrungen. Es sind zwar mehrere Arbeiten von mir in deutsch- und englischsprachigen Fachzeitschriften erschienen, auch war ich Mitautor bzw. Mitherausgeber von ein paar Büchern. Dafür habe nie auch nur einen einzigen Cent bekommen. Ich musste jeweils irgendeine Erklärung bzgl. Copyright und Verwertungsrechte unterschreiben, um deren Einzelheiten ich mich herzlich wenig geschert habe. Ich wusste, dass man in diesem Bereich kein Geld machen konnte und dass es mehr darauf ankam, eine möglichst große Anzahl von Publikationen mit dem eigenen Namen zu erreichen (wichtig z.B. bei Absichten der Erlangung höherer akademischer Grade und Positionen). Das war in den Zeiten der letzten 70er und 80er Jahre, als Diskussionen über die Zitierbarkeit von Abstracts in Kongessbänden entbrannten, wogegen sich vor allem gestandene Ordinarien im Verein mit etablierten, einflussreichen (und damit auch teuren) Verlagen vehement wehrten, z.B. durch gezielt interessenorientierte Auslegung des sog. Impact Factors.

Weil es für meine eigene akademische Weiterqualifiziertung schon zu spät war und ich mich neben meinen eigentlichen beruflichen Aufgaben auch darauf konzentrieren musste, dass irgendwie neues Geld für die Fortsetzung der Projekte und für einen weiteren befristeten Arbeitsvertrag für mich selber hereinkommt, habe ich mich um solche Sachen wie oben beschrieben immer weniger gekümmert. Die Anfänge der Verwendung von Computertechnik in der gynäkologischen und geburtshilflichen Forschung habe ich allerdings intensiv miterlebt und mir zunutze gemacht, und dass es hierdurch auch zu Veränderungen in der Medienlandschaft kommen wird, war eigentlich klar. So dürfte es zu den ersten Malen in Deutschland zählen, dass bei einem wissenschaftlichen Symposium anstelle eines pfundschweren Abstractbandes eine kleine Diskette mit den vollständig überarbeiteten Manuskripten aller Kongressbeiträge verteilt wurde:
Arbeitsgemeinschaft für Informationsverarbeitung in Gynäkologie und Geburtshilfe
> Tagungen > 1995
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