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Tag 5 [Suzhou/Shanghai] - Armut

Den Vormittag habe ich aus Protest gegen das Wetter standesgemäß vertrödelt. Shoko ist schön in einen sehenswerten Park gegangen, ich habe noch eine Runde geschlafen. Dann fuhren wir ohne weitere Vorkommnisse zum Bahnhof. Der allerdings muß noch etwas genauer beschrieben werden.

Mein Eindruck von vor zwei Tagen verschlimmerte sich um ein vielfaches. Gesäumt ist der Platz von einer Art Müllhaldenring. Es klingt zwar unglaubwürdig, aber alle paar Meter lag Essen auf dem Fußboden, das schon mal einen Magen von innen gesehen hatte. Das schlimmste aber waren die Kinder, die zum Betteln am Bahnhof standen. Es waren sehr viele; das jüngste vielleicht 3 oder 4 Jahre alt. Sie stehen mit schnoddrigen und vor kälte roten Gesichtern den Reisenden im Weg, halten sie fest und bedrängten mich so sehr, daß ich regelrecht am Laufen gehindert war. Natürlich ist es aber nicht vernünftig, diesen Kindern Geld zu geben - es wird ihnen später abgenommen und sie werden nur weiter auf die Straße geschickt. Aber es zerreißt einem das Herz, sowas zu sehen.


In Nanjing, noch mehr aber in Suzhou wurde ich angestarrt wi ein Weltwunder, vor allem unangenehmerweise von Männern. Eine Zeitlang machten Shoko und ich uns einen Spaß daraus, zurückzustarren, was aber ganz und gar nicht dazu führte, daß der Gegenüber das Starren beendet, sondern im Gegenteil lieber gegen einen Pfahl läuft, als den Blick abzuwenden. Obwohl man annehmen könnte, daß der große Anteil an Ausländern in Shanghai so etwas verhindern könnte, war es mit dem Starren nicht anders bestellt.


Fällt jemand auf, welche zwei Figuren hier fast den gleichen Gesichtsausdruck haben?


Eine Jugendherberge ist, wie man weiß, kein Hotel und man soll nicht zu viel erwarten. Schön ist es dann, wenn man trotzdem in so einer Art Hotel ankommt. Das sind wir heute. Die Zimmer sind warm. Die Dusche ist warm. Beides außerdem auch noch sauber. Das erste Mal in diesen fünf Tagen konnte ich mich etwas entspannen. Shoko ist spontan eingeschlafen und ich nutzte die Zeit für Körperpflege extended.
Bei Bedarf ist die Goethe-Druckerei auch gleich um die Ecke!



Abends gingen wir die legendäre Nanjing-Straße entlang auf der Suche nach einer Spezialitätenstraße, in der man allerlei essen kann. Wir aßen dann auch in dieser Reihenfolge: Takoyaki, komische gefüllte Kekse, Bananenmilch, Erdbeermilch, kleine mit Suppe und Fleisch gefüllte gebratene Baozi, mit Zucker glasierte Erdbeeren, normale Erdbeeren, seltsame Mandeln. Dann habe ich aber auch irgenwann die Übersicht verloren.

Danach ging es nur noch zufrieden mit der U-Bahn nach Hause.