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Der Minderheitenpark

Wer den Namen auch so seltsam findet wie ich, findet das, was jetzt kommt, vielleicht noch seltsamer.

Es ist noch nicht allzu lange her, da waren Chinas Minderheiten ein in China groß zelebriertes Thema. So ist der Raum für die Minderheiten im Museum für chinesische Geschichte an prominentester Stelle und alle Geldscheine schmückten damals die aufwändig kostümierten Minderheiten. Inzwischen ist auf allen Scheinen nur noch Mao Zedong und die Begeisterung für Minderheiten etwas zurückgegangen. Das merkt man besonders, wenn man den erst um die Jahrtausendwende fertiggestellten "Minderheitenpark" (中华民族园) besucht.






Eines vorweg: Der Park ist wirklich wunderschön und das ganze Anliegen eigentlich eine sehr gute Idee. Das riesige Gelände wurde angelegt, um nicht nur die Häuser und das Leben der Minderheiten wiederzugeben, sondern sogar die Landschaft, in der sie leben, aufzugreifen. So gleicht ein Spaziergang im Park einer China-Rundreise.
Gerade habe ich auf youtube ein Kommentar-Video einer Amerikanerin gehört, die meinte, behaupten zu müssen, der Park sei ein Paradebeispiel für chinesischen Kulturimperialismus. Nun, das ist großer Käse. Natürlich werden die Minderheiten dort vermarktet und stark vereinfacht dargestellt, aber man merkt doch, daß der Sinn hinter der ganzen Anlage in erster Linie kein politisches Statement, sondern die anschauliche Vorstellung der Minderheiten ist. Tibeter sind darunter und man kann darüber denken, was man will, aber die Informationen über die Minderheiten sind interessant und politisch neutral gehalten.


Hier sieht man die spärlich besuchte Show des Parks. Die in Kostümen Verkleideten tanzen zu überlauter Musik seltsame Tänze. Leider konnten wir aufgrund sprachlicher Hürden nicht herausbekommen, wer nun eigentlich zu welcher Minderheit gehört. Die Veranstaltung war eher zum Schmunzeln, aber genau so hatte ich mir das eigentlich auch vorgestellt.


Der Tanz der Völker durfte natürlich nicht ausbleiben.


Man sieht hier das dem komischen Tanz angeschlossene Wasserfest, was Tradition bei einer der Minderheiten (welcher nur?) ist. Ich habe mal gewagt, ein Video bei Youtube hochzuladen. Es war das erste Mal, also sagt bescheid, ob es geklappt hat. Leider ist die Qualität dort so runtergeregelt worden, daß man nicht so viel erkennt - wäre es für Euch besser, ich würde die Avi-Dateien einfach auf meinen Server hochladen, oder reicht es so?


Und wer darf die Schweinerei dann wieder weg machen? Genau - die drei lustigen Zwei.




Für die Kinder gibt es einen Mini-Streichelzoo und für alle anderen ein kleines interessantes Museum zum Alltag in China früher. Hier ein etwas gruseliges Kinderzimmer.

Aber doch ist nicht alles so schön an dem Park. Zum einen ist er sehr teuer, was auch der Grund dafür sein mag, daß man dort fast ungestört spazieren gehen kann. Ob nun die geringe Besucherzahl die Verwahrlosung der Innenausstattung (vom Museum einmal abgesehen) hervorgebracht hat oder anders herum, weiß ich nicht. Schade ist aber, daß diese große und großartige Anlage in den einzelnen Minderheiten-"Gebieten" ziemlich wenig Informationen bietet und die meistens gar nichts enthalten.




Das Allerschlimmste an dem Park sind aber einige wenige "Bäume". Der genauere Blick erschreckt.

Comments

( 3 Kommentare — Kommentieren )
kimerascall
Sep. 10th, 2007 04:38 pm (UTC)
Wasserfest
Ich kenne die chinesische Minderheit leider auch nicht, aber bei den Thais gibt es da so genannte Songkran-Fest =Neujahrsfeiertage nach dem Mondkalender. Dort bespritzt man sich auch mit viel Wasser. Vielleicht ist es so etwas ähnliches?
(http://de.wikipedia.org/wiki/Songkran)
Danke noch mal für die vielen Bilder, ich lese und gucke mit Begeisterung mit und zu!
Ich drücke Dir alle 10 Daumen, damit Du doch noch einen guten Japanisch-Kurs findest!
winkerz
kimera
zauberhuehnchen
Sep. 18th, 2007 10:35 pm (UTC)
In China gibt es so viele Minderheiten, daß die Mehrheit die eigentliche Minderheit ist.
seidenstrasse
Sep. 18th, 2007 11:48 pm (UTC)
Glaub mir, es sind noch genug Han-Chinesen übrig. Und ich habe den Eindruck, sie wohnen alle in der Beida.
( 3 Kommentare — Kommentieren )