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Leider habe ich vergessen, mein Mobiltelephon mitzunehmen, deswegen gibt es in diesem Eintrag leider keine Photos.


Gestern abend waren wir in einem dieser Luxus-Karaokeschuppen, in denen alle Bedienstete schicke Uniformen tragen, der Fußboden verspiegelt ist und man in eine Welt der schwarzen Ledersofas und der Riesenbildschirme eintaucht. Es war ganz nett, aber mein vorerst letzer Ausflug dieser Art. In der ersten Woche ist es wohl noch in Ordnung, sich viel mit Deutschen zu umgeben, aber da das ja nicht Sinn der Reise sein soll (und solche Ausflüge außerdem nicht billig sind), werde ich mich da ein bißchen raushalten.


Da die anderen noch etwas trinken gegangen sind und ich allein zurück zur Beida gefahren bin, hier kurz aus aktuellem Anlaß ein paar Worte zum Taxifahren: Taxifahrer wollen einen fast immer über's Ohr hauen. Inzwischen weiß aber auch der letzte Tourist, daß man darauf achten soll, nur die roten oder grün-gelben Taxen zu nehmen und darauf zu bestehen, den Zähler anzumachen. Dadurch hat sich die Strategie geändert; man fährt jetzt Umwege. Besonders gern bei Leuten, die Sätze sagen wie "Ich bin das erste Mal in China." oder "Ich bin gerade erst hier angekommen." Sie verwickeln einen gern in Gespräche und fahren dabei kleine Umwege. Letztlich gibt es zwei Arten, darauf zu reagieren: Die erste ist, sich zu ärgern, womöglich noch zu versuchen, mit dem Taxifahrer über den Weg zu diskutieren (Keine Chance!) und dann letztlich schlecht gelaunt das Taxi zu verlassen. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, um wie viel man da betrogen wird, so kann man sich eigentlich entspannen, denn es sind ja selten mehr als 50 Cent. Ich freue mich stattdessen lieber darüber, eine ganze Taxifahrt lang Chinesisch gesprochen zu haben und einen kleinen Einblick das das Leben der ja doch sehr auskunftsfreudigen Fahrer gewonnen zu haben.


Kommen wir aber zum Titel des heutigen Eintrags. In knapp einem Jahr werden in Peking die olympischen Spiele ausgetragen und die Stadt ist in heller Aufregung deswegen. Bisher habe ich das verständlicherweise mit Unwillen betrachtet, denn es heißt, daß Peking teurer und vor allem noch überfüllter werden wird. Außerden werden die Hutongs, die Armen-Altstadt-Straßen von Peking, dafür plattgewalzt und stattdessen Hochhäuser hingesetzt.

Scheinbar gibt es daneben aber auch noch positive Veränderungen. Ich selbst kann nicht bezeugen, ob es stimmt, aber man sagt mir, die Luftverschmutzung habe sich verringert seit den letzten Jahren. Mir scheint es zwar etwas unwahrscheinlich, aber tatsächlich ist es zur Zeit nicht sehr belastend, hier Luft zu holen. Eine andere Veränderung kann man aber ganz eindeutig feststellen: Peking wird grüner. An vielen Orten bemüht man sich, Bäume und Sträucher anzupflanzen; auf dem Campus, an der Straße, in Parks. Außerden werden die alten Kulturgüter, beispielsweise Tempel, schon seit einigen Jahren für 2008 generalüberholt. Wie langlebig diese Aufbauarbeiten sein werden, bleibt abzuwarten.

Der Abriß der Hutongs ist sicher ein unwiederbringlicher Verlust im Pekinger Stadtbild. Andererseits ist das Leben dort zwar sicher billig, aber auch sehr unhyghienisch und hart. Die Menschen teilen sich allerkleinsten Lebensraum und es gibt nur Gemeinschaftstoiletten und -waschräume. Ich weiß, es klingt wie mein Wohnheim, aber es ist natürlich noch viel schlimmer. Die Häuschen sind zusammengeflickt, nicht isoliert und fallen überall auseinander. Ich würde den Leuten dort schon wünschen, daß sie dort herauskommen und besser leben können. Doch in den dort neu hingebauten Wolkenkratzern bekommen sie bestimmt keine Wohnung - wo gehen diese Menschen hin?


Mittags habe ich einen japanischen Blogger getroffen, den ich bei mixi kennengelernt hatte und der auch bei mir im Wohnheim wohnt. Er hat mich in eine großartige Mensa mit einer riesigen Auswahl bester Speisen geführt und sich mit mir über Bloch und Adorno unterhalten (so weit ich das auf Japanisch kann, versteht sich). Ein erstaunlicher Mensch; es waren zwei sehr vergnügliche Stunden. Danach hatte ich von den blöden Chilischoten, die hier überall drin sind, einen spontanen Allergieanfall und bin erst mal für 3 Stunden ausgeknockt gewesen.


Abends, schon längst bettfertig, bekam ich einen Anruf von Zhengmi, die heute angekommen war. Wir zeigten uns gegenseitig unsere Wohnheime. Nun empfand ich es immer als eine bodenlose Ungerechtigkeit, daß die Wohnheime für Ausländer viel besser sind, als die für Chinesen. Heute konnte ich herausfinden, daß es umgekehrt auch nicht so toll ist.


Ich würde euch ja gerne schon die guten Neuigkeiten erzählen, aber das muß bis zum Eintrag vom 29. 08. warten.

Comments

( 2 Kommentare — Kommentieren )
zauberhuehnchen
Sep. 12th, 2007 09:58 pm (UTC)
Die Armen werden vermutlich auf Land getrieben, wenn in der Stadt ihr Platz abhanden kommen. Das ist die Ironie der Weltgeschichte, denn Städteballung ist ja überhaupt erst dadurch entstanden, daß Armut vom Land in die Siedlingen geflüchtet ist, aus denen dann später so hübsche Städte wie Peking, New York oder Schwedt wurden.

Ein Japaner, der sich für Bloch und Adorno interessiert - das kann nur ein ausgesprochener Idiot sein.

Das mit den umgekehrten Wohnheimen habe ich nicht verstanden.
seidenstrasse
Dec. 4th, 2007 11:05 am (UTC)
Die Armen werden tatsächlich, wie ich inzwischen weiß, aus den Zentren in Pekings Randgebiete getrieben. Sie bekommen eine mieserable Abfindung.

Umgekehrte Wohnheime: Die für Chinesen konzipierten Wohnheime der Beida sind besser in Schuß, als die für Ausländer. Normalerweise ist es anders herum. Allerdings haben diese schönen Wohnheime auch Nachteile; zum Beispiel gibt es dort keine Duschen und kein heißes Wasser. Die Chinesen, die eines von beiden haben wollen, müssen in andere Gebäude dafür gehen. Deswegen bin ich letztlich doch zufrieden, hier gelandet zu sein.
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