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Ein guter Tag

Der heutige Tag war schon viel besser, denn er fing mit einer kalten Dusche an.  Durch völlig verrückte Temperaturen in der Nacht hatte ich eher minder gut geschlafen, doch durch das frühe Zubettgehen war ich um 6:00 Uhr schon putzmunter. Lisa ging es nicht anders, und so machten wir uns gleich mit unserem großen Ziel, dem Internet, auf den Weg. Um es gleich vorweg zu nehmen: sehr erfolgreich waren wir vorerst nicht. Um im Zimmer Internetanschluß zu bekommen, benötigt man eine Studentenausweisnummer, die wir wiederum erst bekommen, wenn das Semester beginnt (also möglicherweise am 01. oder 02. September). Zwar gibt es an mehreren Orten sogenannte Druck-Büros, in denen man theoretisch auch ins Internet kommt, aber wir blieben glücklos, denn alle Seiten von Interesse ließen sich nicht aufrufen.

Doch zurück zum heutigen Tag. Wir entschlossen uns nach einem kurzen Joghurt-Frühstück, die Strecke bis zum nächstgelegenen (aber doch nicht sehr nahen, wie sich herausstellte) U-Bahnhof Wudaokou zu Fuß zurück zu legen. Dabei kamen wir erst einmal an einem sehr schicken Supermarkt/Kaufhaus vorbei, in dem ich meinen oben genannten neuen Freund entdeckte. Der neue Ventilator hat sogar ein Zeitmesser, so daß man beispielsweise einstellen kann, daß er nach 30 Minuten ausgeht. Zum Einschlafen ist das hervorragend! Mein Tag war gerettet.


Hier kann man auch gut das einzige sehen, das mich an meinem Zimmer wirklich stört: Der Fußboden. Alles andere ist halbwegs sauber und funktionsbereit, aber der Fußboden ist kaputt, dreckig und generell ein Graus.

Überall sprechen hilfsbereite oder meistens auch einfach neugierige Verkäufer oder Passanten mit einem. Das hält zwar manchmal auf, ist aber bisher vor allem nützlich, um an Auskünfte und Tips zu kommen. Erstaunlich ist dabei für mich, mit wie wenig Vokabeln man in diesen Gesprächen auskommt. Ein paar Fragewörter, "Dongxi" (Sache) und ein fragender Blick reichen, um alle Arten von Informationen zu erhalten.

In diesem Supermarkt konnte man auch gut spüren, wie gegenwärtig Olympia 2008 schon bei allen Menschen ist. Nicht nur, daß Verkäufer ein paar Floskeln auf Deutsch erklärt bekommen wollen - im Supermarkt kommt auch die ganze Zeit ein Englischkurs! Er beschränkt sich allerdings (in der Zeit, in der wir da waren) auf der Herunterrattern von Vokabeln:

Fuwuyuan - Service Worker

und so fort. Ansagerin ist leider eine Chinesin, deren englische Aussprache dergestalt ist, daß wir eine Weile nicht mitbekommen haben, um welche Sprache es sich eigentlich handelt.


Am Straßenrand der großen Hauptstraße trafen wir auf diese munteren Gesellen.

Ganz in der Nähe von Wudaokou gibt es ein mir durch meinen Dozenten vom letzten Jahr bereits bekanntes, wunderbares Café namens "sculpting in time". Nicht nur, daß es dort Wireless Lan gibt (der Umstand, dem ich diesen Eintrag hier verdanke) - nein, es gibt auch noch echten Kaffee und echten Kuchen! Mit anderen Worten, der Zufluchtsort vor zu viel China ist gefunden. Leider ist das Etablissement nicht nur von Außen sehr europäisch, es hat auch sehr europäische Preise. Aber was tut man nicht.

Später habe ich herausgefunden, wieviel Grad es braucht, um mich dazu zu bringen, ein Kleid anzuprobieren (gefühlte Temperatur: 85°). Mein Kleidungsstil paßt bisher anscheinend viel zu sehr zu meinem winterlichen Gemüt - jedenfalls habe ich zu wenig Sommeranziehsachen, wenn ich vorhabe, die nächsten zwei Monate zu überleben.

Im nächsten Schritt wurde dann unser Traum vom Internet wahr, als ich uns in das Internetcafé vom letzten Mal führte. Für 30 Cent kann man da eine Stunde lang alle freigeschalteten Webseiten benutzen - Livejournal also nicht. Lustigerweise führt einen aber die Eingabe der Livejournal-URL nicht ins namenlose Nirgendwo, sondern zu Baidu - der größten Blogseite Chinas.

Als das erste Lebenszeichen abgeschickt war, war es durch den langsamen Zugang zu westlichen Seiten dort schon fast wieder Zeit, das Weite zu suchen. Für uns hieß das, ein neues Ziel zu haben: Ein Fahrrad. Gebrauchte Fahrräder kostet zumeist um die 9 Euro, neue bis zu 20. Wir haben jeweils ein neues für 17 Euro inklusive Schloß erstanden und sind nun gespannt, wie lange es ganz bleibt bzw. wann es uns gestohlen wird. Aber dank des Preises ist das möglicherweise nicht ganz so schlimm. (Erinnert mich bitte an diesen Satz, wenn es später so weit ist.)


Hier kommt Lisa gerade von der Mauer zurück, auf der ihr Fahrrad stand.


Mein Rad (das schicke rote natürlich!)

Unruhig wie ich bin, habe ich einen Abstecher zur Wohnheimverwaltung gemacht und die freundliche Dame versicherte mir noch einmal, daß sie mir suchen helfen wird. Alles in allem vermittelte sie mir den Eindruck, daß ich mit einer japanischen Mitbewohnerin Glück haben könnte, aber ich will mich nicht zu früh freuen.

Daraufhin ging es noch etwas Herzhaftes essen und dann den langen Weg zurück zur Universität. Bei der Gelegenheit konnte ich feststellen, daß mein bisheriger Mangel an Sonnenbrand vermutlich etwas mit dem Mangel an Sonne zu tun hatte, denn heute habe ich, ganz gegen meine Art, von beidem genug.

Comments

( 2 Kommentare — Kommentieren )
zauberhuehnchen
Aug. 25th, 2007 01:57 pm (UTC)
Am Straßenrand der großen Hauptstraße trafen wir auf diese munteren Gesellen.

Es gibt so Sätze, für die hab ich dich gleich doppelt lieb.
seidenstrasse
Aug. 27th, 2007 08:02 am (UTC)
Ich weiß genau, was Du fühlst.
( 2 Kommentare — Kommentieren )