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Ein Vorteil ist es zum Beispiel, daß man im Studium keine Zwangspraktika absolvieren muß. Nicht so eine Schulkameradin von mir, die "International Business Irgendwas" studiert und deswegen sich jährlich aufs neue bemühen muß. Ebendiese erzählte mir neulich von einem Bewerbungsgespräch bei Beiersdorf.

Wie abgemacht rief die Firma bei ihr morgens an und stellte ihr erst ein paar allgemeine Fragen zu Kosmetikprodukten und warum sie ausgerechnet bei Ihnen ein Praktikum zu absolvieren gedenke. Dann aber fing der Spaß an: Die Interviewerin wechselte auf Englisch (da wohl auch viel Englisch beim Praktikum gesprochen werden wird) und sagte:

Stellen Sie sich mal vor, Sie steigen in eine Rakete und fliegen zum Nivea-Planeten. Wie sieht es da wohl aus?

An dieser Stelle hätte ich für meinen Teil freundlich aber bestimmt meinen Unwillen kundgetan und gegebenenfalls auch gerne aufgelegt. Hallo? Niveaplanet? Noch jemand zu Hause?

Damit aber noch nicht genug. Nachdem erst von einem erwartet wurde, den Planeten zu beschreiben, ging es dann weiter mit den Menschen, wie die denn so aussähen, wie sie sich verhielten etc.pp. Schließlich sollte man noch sagen, ob man gerne auf dem Niveaplaneten leben würde. Aber ja doch, meine Liebe, gerne würde ich mich auf einem Planeten festsetzen, wo die größte gesellschaftliche Herausforderung ist, jedem Einwohner die auf seine Haut abgestimmte Pflegeserie zukommen zu lassen.

Wer glaubt, daß das nicht mehr zu toppen ist, hat sich aber geirrt: Nachdem meine Bekannte artig auf all diesen Unfug geantwortet hatte, kam gleich die nächste Frage, die da lautete:

Sie steigen wieder in Ihre Rakete und fliegen zum nächsten Planeten, dem L'Oreal-Planeten. Wie sieht es da wohl aus?

Und ja. Es kam danach noch ein Planet. Würde ich gerne in einer Firma arbeiten, in der meine direkten Vorgesetzten sich so lange mit bewußtseinserweiternden Substanzen behandeln, bis ihnen solche Fragen in den Sinn kommen? Nein, sage ich.

Comments

( 17 Kommentare — Kommentieren )
sashatwen
Aug. 25th, 2006 08:42 am (UTC)
LOL. Ehrlich gesagt fände ich so ein Interview ziemlich cool. Aber das liegt an meinem gesunden Sarkasmus.

Ob sie allerdings meinen Humor teilt, das hätten wir dann gesehen. ^_^
atti_br
Aug. 25th, 2006 09:01 am (UTC)
Macht sie vielleicht ein Marketing-Praktikum? Da kann man durchaus so komische Fragen gestellt bekommen.
Ach ja und der Nivea-Planet ist selbstredend blau!
seidenstrasse
Aug. 25th, 2006 09:17 am (UTC)
Ja, ich glaube, mit Marketing hat das was zu tun. Was mich jetzt wirklich sehr nachdenklich werden läßt, wenn die Leute, die für Vermarktung zuständig sind, dann alle so drauf sind. Erklärt einiges an Werbung, die man täglich so zu sehen bekommt.
the_wondergirl
Aug. 25th, 2006 09:19 am (UTC)
O___O

Niveaplanet. Ja klar.

auf die frage nach dem l'oreal-planeten hätte ich antworten können, dass ich schonmal da war, und dass dieser wundervolle pariser-favela-vorort mir auf ewig in erinnerung bleiben wird.
bemysty
Aug. 25th, 2006 09:34 am (UTC)
Ich kann mir vorstellen, dass es dabei sowohl um einen Test des schnellen Bullshittens als auch um die persoenliche Phantasie bzw. Assoziationsfaehigkeit ging... aber das so zu lesen ist schon recht wtf XD
jevgenchik
Aug. 25th, 2006 10:07 am (UTC)
Da gibt es nur eins. Sag nein. Wenn Idioten versuchen, dich mit solchen Fragen zu foppen, dann sollte man freuendlich sein und fragen, wann denn der letzte Termin beim Arzt gewesen ist.
Es könnte ja auch ein Test sein, ob man in extremen Situationen adäquat reagiert. Ich halte es nicht für richtig, die Wahnsinnigen in ihren Wahnvorstellungen zu unterstützen.

In den Filmkomödien gibt es unter anderem zwei Sorten, deren Komik auf dem Gegensatz zwischen dem Verhalten der Hauptfigur und seiner Umwelt aufbaut. In den einen ist die ganze Welt wahnsinnig und verhält sich nicht adäquat. Alle sid Witzfiguren, nur der Protagonist versucht normal zu bleiben. In der anderen wundert sich die adäquate Umwelt über den Helden, der durch seine geistige Haltung und sein Verhalten für Lacher sorgt.
Es kann beides witzig sein, jedoch sollte man so etwas im tatsächlichen Leben vermeiden.

Und noch ein Schlusswort: "Man sollte nie mit einem Idioten streiten. Er bringt dich auf sein Niveau runter. Und auf dem Gebiet ist er viel erfahrener."
Keine Ahnung wer das gesagt haben soll.

jomapakure
Aug. 25th, 2006 11:57 am (UTC)
Mark Twain soll das gesagt haben.
frogspace
Aug. 25th, 2006 11:52 am (UTC)
In dem Fall hätte ich gehofft, dass direkt hinterher irgendwann die Frage kommt, "Was sind denn Ihre Hobbys und Interessen?", denn dann hätte ich antworten können, dass ich ganz abgefahrene Science Fiction lese und schreibe und hey, passe ich nicht gut in den Verein? *g*
dragonaph
Aug. 25th, 2006 12:14 pm (UTC)
Mich überraschen diese Fragen nicht allzusehr. Man muss halt spontan sein und Fantasie haben. *shrug* Klar kann man versuchen, sklavisch den Nivea-Planeten zu loben und so, aber auch daran, wie ich Nivea positiv präsentiere können die erkennen, ob ich ein Opportunist bin oder ob ich selber denken kann. Ist vermutlich mit ein Zweck für die Geschichte. Schließe mich atti_br an: wenn es für ein Marketingpraktikum war, finde ich die Fragen durchaus ok. Ich assoziiere mit dem Nivea-Planeten übrigens Begriffe wie soft, blau, pastell u. dgl. Auf dem L'Oreal-Planeten wohnen dafür lauter Mittvierzigerinnen. *bg*
seidenstrasse
Aug. 25th, 2006 02:18 pm (UTC)
Da ich Marketingexperten, zusammen mit beispielsweise Börsenmaklern, für eine der sinnlosesten Erfindungen der letzten Jahrhunderte halte, kann ich zu diesem Bewerbungsgespräch sagen: angemessen ja, außerdem noch absurd und intelligenzbeleidigend.
andyknopp
Aug. 25th, 2006 04:26 pm (UTC)
Meine Gegenfrage wäre wohl gewesen, welches Halluzinogen die Erfinder dieser Fragen nehmen und wieviel das Kilo zur Zeit so kostet.

Die Tatsache, daß solche Fragen bei einem Marketinggespräch als normal empfunden werden, beweist nur, daß man mit einem Gendefekt zur Welt gekommen oder aber in der Entwicklung ernsthaft gestört sein muss, um überhaupt in diese Branche gehen zu wollen.

Bin ich eigentlich der einzige, dem zum Aussehen des Nivea-Planeten "weiß und cremig" einfällt?
jevgenchik
Aug. 25th, 2006 05:09 pm (UTC)
nein.
...
aber zu "weiß und cremig" ... sage ich lieber nichts.

Aber im Ernst. Wenn eine solche Frage in einem Vorstellungsgespräch kommt. Wie reagiert man dann? Ich meine die normale Reaktion ist eigentlich Verwirrung und damit rechnen sie ja.
Es muss doch erschreckend sein, wenn nach einer solchen Frage eine ernstgemeinte Antwort kommt. Will eine Firma (auch wenn es die hirnverbrannten Marketingexperten sind) tatsächlich hirnverbrannte Mitarbeiter haben?
Ist es nicht sinnvoller adäquat auf eine solche Frage zu reagieren und das Kommentar abzugeben, dass die Frage sehr albern ist, aber dass man sie dennoch beantwortet?
seidenstrasse
Aug. 25th, 2006 05:12 pm (UTC)
Das kommt ganz darauf an, was Dir wichtiger ist: der Job oder Deine Würde.
jevgenchik
Aug. 25th, 2006 05:35 pm (UTC)
Mit meiner heutigen Lebenserfahrung weiss ich mit Sicherheit, dass ich für solche Jobs, wo mir solche Fragen gestellt werden könnten nicht in Frage komme. Wenn in einem Gespräch dann doch solche Fragen kommen, würde ich nett lächelnd zum Abschied leise Servus sagen.
seidenstrasse
Aug. 25th, 2006 05:37 pm (UTC)
Wie oben schon gesagt - da wärst Du nicht allein. Ein Glück da, daß mein Traumjob nicht Marketing ist!
jomapakure
Aug. 27th, 2006 04:41 pm (UTC)
Sofern das noch niemand getan hat und ganz ohne jede korporativistische Beeinflussung seitens des Nivea- oder des L'oreal-Planeten, möchte ich dir ein herzliches Lob für das Design deiner Livejournal-Seite aussprechen.
Gefällt mir, will ich auch. Rosa war letzte Woche, es wird Zeit für Veränderung...!
..wie ändert man das?
seidenstrasse
Aug. 27th, 2006 04:44 pm (UTC)
Bedanke mich für das Lob. Ich verlinke Dich einfach mal zu der Beschreibung von Livejournal:

http://news.livejournal.com/92996.html

Allerdings habe ich einen bezahlten Account und weiß nicht, ob Du auch zu diesem speziellen Layout Zugriff haben wirst.
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